trauerweide, 2000

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Bildergeschichte zu trauerweide, 2000

Trauerweide

Er träumt, wie er mit seiner Mutter an eine Kreuzung gelangt. Sie halten an und sprechen wie gewohnt über die Verwandtschaft und die Gebrechen des Alters. Da schaut die Mutter zurück und sagt mit ausgestrecktem Zeigefinger: dort geht es hin! Er denkt, sie scherze, aber als er in ihre Augen blickt, wird ihm klar, dass sie den Weg, den sie soeben gegangen, schon wieder vergessen hat.

Nach einem dumpfen Paukenschlag wird es totenstill. Um sich zu schützen, hebt er die Hand und versucht die Augen zu schliessen, doch das gelingt ihm nicht. Allmählich senken sich wenigstens die Wimpern. Er sieht sie als schwarze, leblose Äste vor seinen Pupillen hängen. Dann wacht er auf und starrt in den grauen Nachthimmel. Zuerst weiss er nur, dass jemand die Vergangenheit vergessen hat. Dann, von einer namenlosen Trauer befallen, erinnert er sich an die letzten Zeilen von Samuel Becketts Still:

Es so lassen, alles ganz still, oder bei den Geräuschen suchen, auf Geräusche lauern, alles ganz still, Kopf in der Hand, lauernd auf ein Geräusch.

Text: © Balthasar Kübler zu Bildreich Postkarte 059 Trauerweide
Neunter Bildreichgruss, November 2004

(Quelle: BIldreichgruss)

Zusätzliche Information

Farbe

grau

Farbe 2

schwarz

Sättigung

mittel

Bildton

dunkel