linda, 2001

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Bildergeschichte zu linda, 2001

Die Welt, die draussen vorbeiflog, war nicht der Grund, weshalb Linda (als sie selbst noch Kind war) nach einem Fensterplatz verlangte. Was sie wollte, war den Wind spüren. Deshalb stand sie trotz der Warnung ihrer Mutter noch einmal auf die Bank, lehnte sich weit hinaus und blinzelte, um dann mit einem sehnsüchtigen Lächeln die Lider immer weiter zu senken. Denn nur das hiess richtig Zug fahren: Den Kopf seitlich auf die Arme gelegt, die Augen geniesserisch geschlossen und überall Luft, überall diese wilde, sommerlich warme Windluft. In den Haaren, den Ohrmuscheln, den Nasenflügeln: nur Luft, so dass sie mit zunehmender Fahrt nicht mehr atmen, nichts mehr sehen, nichts mehr hören und bald einmal auch nichts mehr denken konnte. Manchmal, wenn sie sich noch etwas weiter hinauswagte, füllte der Wind sogar ihre rote Bluse und blies bis zum Bauchnabel und durch den Rock hindurch bis zu den Zehen hinunter – dann, endlich, war der ganze Körper eingehüllt von diesem liebrasenden Luftstrom.
Unwillkürlich öffnet Linda die Augen. Sie betrachtet ihre Enkelin, wie sie still am Fenster sitzt und hinausschaut. Da dringt der Fahrtwind mit seiner nur ihm eigenen zarten Gewalt durch das festgefügte Glas und verwischt ihren Blick von Neuem.

Text: © Balthasar Kübler zu Bildreich Postkarte 036 Linda
Erster Bildreichgruss, Februar 2004

(Quelle: Bildreichgruss)

Zusätzliche Information

Farbe

grau

Farbe 2

rot

Sättigung

mittel

Bildton

mittel